Vogelbeobachtungen in Finnland und Norwegen

01.06.2004 bis 09.06.2004

Alexander Wöber (Text)
Rainer Jahn (Fotos)

Karte Nordfennoskandien mit unseren drei Hauptreisezielen
Fennoskandien mit unseren drei Hauptreisezielen

Oulu Kuusamo Am Inari vorbei Varanger-Halbinsel Zurueck nach Oulu
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Teil 2: Kuusamo, 03.-04.06.2004

Am dritten Tag fuhren wir weiter Richtung Kuusamo. Auf dem Weg dorthin, wie auch im Verlauf der weiteren Reise, machten wir immer wieder Halt an Mooren und Sümpfen. Viele dieser Feuchtgebiete sind durch Planken begehbar gemacht. Ausser den obligatorischen brütenden Singschwänen war jedoch nicht viel zu beobachten. Auf den erhofften Sumpfläufer warteten wir vergeblich. Kuusamo liegt in Karelien nahe der russischen Grenze. Es ist bekannt für unberührte Wälder in seiner Nachbarschaft. Wir mieteten eine Hütte für 100,- Euro. Kleinere Hütten gab es hier leider nicht und eigentlich war diese auch für 4 Personen gedacht. Ansonsten sind Hütten in Finnland durchaus erschwinglich zu einem Preis zwischen 25,- und 50,- EURO.

Ich nutzte die helle Nacht zu einem Spaziergang. Ganz in der Nähe war ein See auf dem Dutzende von Zwergmöwen nach Nahrung suchten. Auf einer Insel im See brütete ein Singschwan. In den seichten Verlandungszonen suchten Bruchwasserläufer nach Nahrung. Mitten im Wald flogen plötzlich ein paar Krickenten aus der Blaubeerkrautschicht auf. Die Vögel waren wohl auf der Suche nach einem Nistplatz. Als ich auf dem Weg zurück zu unserer Hütte war, flog eine schwarzköpfige Ammer über die Straße. Zu schnell um eine wirklich fehlerfreie Bestimmung durchzuführen und vielleicht die einzige Begegnung mit einer Waldammer. Diese Ammernart ist in Finnland eigentlich nicht selten, aber wie uns finnische Ornithologen bestätigten, eine schwer zu entdeckende Art. Die Waldammer soll nach der Verpaarung ein verstecktes Leben führen und auch kaum noch singen. Alle Reiseberichte skandinavischer Ornithologen, die ich gelesen habe, berichten von der Benutzung einer Klangattrappe, um diesen Vogel überhaupt zu Gesicht zu bekommen, und selbst das noch mit mässigem Erfolg. Im November 2004 wurde übrigens in Nordost-China zum ersten Mal ein Vogel gefangen, der in Schweden beringt worden war. Es handelte sich um eine Waldammer und der Vogel hatte von Südschweden, wo er zwar gefangen worden war, aber sicherlich nicht gebrütet hat, bis China 6 443 km zurückgelegt. Das erklärt sicherlich auch die späte Ankunft solcher Vögel wie Weidenammer und Wanderlaubsänger in Finnland, da diese in Asien überwintern. Mehr Glück hatten wir jedoch mit der Zwergammer. Ganz in der Nähe, am Kuusamojärvi, fanden wir 3 singende Männchen. Die Vögel waren ausserordentlich scheu und verstummten sofort, wenn sie sich beobachtet fühlten. Hoch über dem See zeigte ein Waldwasserläufer seinen Balzflug, der etwas an den einer Ringeltaube erinnerte. Der Vogel gewann flügelschlagend an Höhe, um dann wieder nach unten zu gleiten, um gleich darauf wieder an Höhe zu gewinnen, wobei er klagend rief. Auf einer winzigen Insel im See brütete eine einsame Flussseeschwalbe.

Im Nordosten und Südosten von Kuusamo befinden sich die Höhenrücken Valtavaara und Iivaara. Sie sind für das regelmässige Vorkommen des Blauschwanzes bekannt, einer ebenfall östlichen Art. Einem Tipp folgend machten wir uns auf den Weg nach Iivaara. Auf der Hinfahrt über Schotterwege durch den Wald machten wir wegen eines taubengroßen Vogels Halt, der sich in den Strassengraben duckte. Nur einen Meter von unserem Auto entfernt ließ sich ein Moorschneehuhn bewundern. Auf dem Weg den Berg hinauf hörten wir immer wieder Erlenzeisige rufen und ein Bergfink sang von einer Baumspitze sein wirklich einfaches Lied. Nach etwa einer Stunde hatten wir den Höhenrücken erreicht und ruhten uns von der Anstrengung aus. Die einzige Vogelstimme, die wir hörten, war der melancholische Gesang eines Gartenrotschwanzes. Nach etwa einer Stunde stimmte ein zweiter Vogel mit ein, der mit seinem Gesang etwas an eine Rotdrossel erinnerte. Und tatsächlich saß auf einer Fichte unter uns ein Blauschwanz. Sogar ein ausgefärbtes Männchen. Die meisten singenden Männchen so weit westlich ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes sind nämlich zum überwiegenden Teil unausgefärbte junge Vögel. Dies war sicherlich der Höhepunkt unserer Reise. Als Sahnehäubchen obendrauf gabs noch einen Unglückshäher, der uns neugierig beäugte.

Auf unserer Weiterfahrt Richtung Norden machten wir Halt am Valtavaara. Mit etwas Glück kann man hier den Grünlaubsänger vorfinden. Es war jedoch noch ziemlich kalt in diesem Jahr und der Frühling ließ auf sich warten. An einer bekannten Futterstelle hielten wir an, in der Hoffnung vielleicht einmal Hakengimpel zu sehen, die hier manchmal am Futterhaus erscheinen. Einige Gimpel waren aber die einzigen Vögel, die dieses Angebot ausnutzten. Eine illustre Gesellschaft britischer Ornithologen unter der Führung eines Finnen hielt hier an und versuchte ihr Glück. Sie hatten die verdreckten Scheiben ihres Busses mit der Aufschrift "Save the Great Auk" verziert. Ein paar überfliegende Fichtenkreuzschnäbel und ein Sperber waren jedoch die einzige Ausbeute neben den Gimpeln.

Weiter mit Teil 3: Am Inari vorbei
Flussseeschwalbe Flussseeschwalbe

Zwergammer Zwergammer bei Kuusamo

Beobachtergruppe
Geführte Beobachtergruppe bei den Zwergammern
Blauschwanz Blauschwanz, Iivaara

Blick vom Iivaara
Blick vom Iivaara

Singender Blauschwanz Singender Blauschwanz, Iivaara